Zwei Personen im Garten halten sich an den Händen © BruderhausDiakonie

Dettingen: Inklusion im Streuobstparadies

Die Werkstatt der BruderhausDiakonie im Gewerbegebiet Dettingen soll einen Anbau bekommen. In dem neuen Förder- und Betreuungsbereich wird es Platz für vielfältige Begegnungen geben und für Projekte, die Industrie, Natur und Inklusion verbinden.

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Die Situation
18 Frauen und Männer mit besonders individuellem Bedarf an Assistenz werden aus bisher angemieteten und nun gekündigten Räumen in Metzingen in den Dettinger Neubau wechseln. Hier sind sie nah dran an der Werkstatt und haben die Möglichkeit, Teilhabe am Arbeitsleben behutsam auszuprobieren und zu trainieren. In den beiden Gruppenräumen des neuen Förderbereichs können sie je nach Tagesform mitten im Geschehen sein, sie können aber auch auf Abstand gehen. Dafür gibt es eine halboffene gemütliche Sofaecke zum Filme schauen und Snoezelenräume, die ungestörten Rückzug ermöglichen.

Zwei zusätzliche Multifunktionsräume, einer für handwerkliche und kreative Tätigkeiten, der andere medial gut ausgestattet, sollen zum Ort und Startpunkt für inklusive Aktivitäten werden.

Die Idee
Menschen zusammenbringen, die sich sonst nie begegnen und gemeinsam etwas Innovatives schaffen – das möchte die BruderhausDiakonie in Dettingen erreichen. Da sind zunächst einmal zwei Industriebetriebe von nebenan. Ein Autozulieferer und eine Papierfabrik wollen soziales Lernen fördern und haben dies in einer schriftlichen Vereinbarung festgehalten. Für Auszubildende im zweiten Lehrjahr gibt es künftig eine Begegnungswoche in der Förder- und Betreuungsgruppe. Geplant sind sinnhafte und praktische Projekte rund um die Natur. Das kann die gemeinsame Herstellung von großen Insektenhotels sein, die Gestaltung und Bewirtschaftung des umliegenden Gartens, der Bau eines Holzhauses, eines Barfußparks oder einer Grillstelle.

Garten mit blühendem Baum © BruderhausDiakonie

Zum inklusiven Meilenstein könnte sich die serienmäßige Produktion einer mobilen Heupresse entwickeln. Gemeint ist ein zerlegbares, einfach zu transportierendes Gerät aus Holz zum Pressen kleiner Heuballen. Kompetente Partner sind mitten in einer der größten zusammenhängenden Streuobstlandschaften Europas reichlich vorhanden. Der Landkreis Reutlingen berät in Sachen Obst- und Gartenbau. Naturschutzvereine bündeln all ihr Wissen über Wiesenpflege und ihr Engagement für den Erhalt der Pflanzen- und Insektenvielfalt im Verein Schwäbisches Streuobstparadies. Das Netzwerk Blühende Landschaft hat die Anleitung zum Selberbauen einer Heupresse kostenlos ins Internet gestellt. Das Interesse ist groß, die praktische Umsetzung nicht ganz einfach. Mit ihrer Projektidee kann die BruderhausDiakonie die Bedarfslücke schließen: Im Zusammenwirken von regionalen Experten und eigenen Schreinern wird der vorhandene Bauplan optimiert und in einfache, sichere Produktionsschritte untergliedert. Den Zuschnitt übernimmt die Holzwerkstatt in Bad Urach. Die Endfertigung erfolgt - während der Begegnungswochen gemeinsam mit den Azubis der beiden Firmen - in den neuen Multifunktionsräumen. Hier sollen auch der Verkauf und vielleicht ein Verleih-Service verortet sein, mit der Chance zu vielerlei ganz selbstverständlichen Begegnungen.

Es wird bestimmt ein sehr berührendes Erlebnis, wenn die erste selbstgemachte Heupresse beim jährlichen Streuobstwiesenunterricht zum Einsatz kommt. Wenn die Drittklässler, für die der Verein Schwäbisches Streuobstparadies das Angebot unter freiem Himmel durchführt, eigenhändig mithelfen dürfen. Wenn die Frauen und Männer aus dem Förderbereich auf Augenhöhe dabei sind und stolz auf ihr Produkt sein können.

Die Verantwortlichen

Andrea Achmann
Bereichsleitung Förder- und Betreuungsbereich
BruderhausDiakonie
Stiftung Gustav Werner und Haus am Berg
Oberlinstraße14
72762 Reutlingen
Mobil: 0151 12034420
andrea.achmann@bruderhausdiakonie.de
www.bruderhausdiakonie.de