Drei Frauen © Gisela Graf-Fischer

Neresheim: Inklusiver Ruhestand

Die Samariterstiftung will ihren Standort in Neresheim komplett umkrempeln. Alte Gebäude müssen weichen und Schritt für Schritt Platz machen für zwei neue Wohnhäuser, eine Werkstatt und Tagesstrukturangebote. In der innovativ-inklusiven Tagesstruktur für Senioren gibt es Räume für märchenhafte Begegnungen.

Die Situation

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Im bisherigen Haus am Sohl auf dem Gelände in Neresheim wohnen vor allem ältere Menschen mit geistiger Behinderung und zusätzlichem Pflegebedarf oder Männer und Frauen mit geistiger Behinderung und herausfordernden Verhaltensweisen. Nun hat die Samariterstiftung ein umfassendes Konversionskonzept gestartet. Zwei neue Häuser sollen das bisherige Wohngebäude aus dem Jahr 1948 ersetzen: eines für 16, das andere für 24 überwiegend ältere Bewohner. Die Wohnungen sind unterschiedlich groß und ermöglichen das Zusammenleben von zwei bis sechs Personen. Auch Einzelwohnen ist möglich. Die kleingliedrige Einteilung ermöglicht viel Selbständigkeit. Es wird von Wohnung zu Wohnung und mit den Bewohnern zusammen entschieden, welcher Hilfe-Mix erforderlich ist. In jedem Haus steht ein Platz als Kurzzeitpflege zur Verfügung. In einer weiteren Etappe folgt der Bau einer Ersatzwerkstatt mit Förder- und Betreuungsplätzen.

In einem einstöckigen Anbau an das größere Wohnhaus wird die innovativ-inklusiv ausgerichtete Tagesstruktur für 25 Senioren eingerichtet. Hier stehen ein großer, teilbarer Gruppenraum mit Küche, ein Werkraum und Ruheräume zur Verfügung.

Die Idee

Die Tagesstruktur für Senioren soll sich zum Ort für einen inklusiven Ruhestand entwickeln. Von hier aus können Unternehmungen in die Umgebung starten. Es sind aber auch Menschen mit und ohne Behinderung von außen willkommen. Bei der Öffnung in beide Richtungen kommen der Samariterstiftung die langjährigen Erfahrungen mit dem Inklusionsprojekt GesiR (Gestaltung inklusiver Ruhestand) zugute. Denn GesiR, gefördert von der Aktion Mensch, hat schon viele Akteure und Initiativen vor Ort zusammen gebracht. Entstanden sind inklusive Malkurse und Musikgruppen, spezifische Bewegungsangebote für Menschen im höheren Alter und Erzählcafés mit wechselnden Themen des täglichen Lebens. In einem Nähkurs gehen Näherinnen der Gemeinde und Bewohnerinnen und ein Bewohner der Samariterstiftung gemeinsam ans Werk. Auf der TO-DO-Liste steht das Ausbessern historischer Gewänder und Hexenkostüme für den Neresheimer Festumzug.

Eine Erfolgsgeschichte mit besonderem Charme hat sich im Rahmen des Inklusionsprojekts zwischen einer professionellen Märchenerzählerin, einer ortsansässigen Buchhandlung und der Samariterstiftung entwickelt. Das Märchenerzählen hat in Neresheim eine längere Tradition. Seit 2016 steht es auf der Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes in Deutschland. Bei Veranstaltungen mit der Erzählgemeinschaft Ostalb Märchenbrunnen in der Buchhandlung Römbell wurde das schlummernde Talent einer Bewohnerin der Samariterstiftung entdeckt. Es folgte ein Qualifizierungskurs und mittlerweile verzaubert Kathrin Morlock ihre Zuhörer bei öffentlichen Auftritten. Dabei verlässt sie sich voll und ganz auf ihr gutes Gedächtnis, denn Lesen fällt ihr sehr schwer.

Die neuen Räume der Tagesstruktur für Senioren sollen vielfältig genutzt werden. Sie bieten ein schönes Ambiente für Erzählgemeinschaften und ermöglichen märchenhafte Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung.

https://www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-deutschland/maerchenerzaehlen

Die Verantwortlichen

Gisela Graf-Fischer
Bereichsleiterin Wohnen
Samariterstiftung Behindertenhilfe Ostalb
Jahnstraße 14
73430 Aalen
Tel.: 07361 564-304
gisela.graf-fischer@samariterstiftung.de
www.samariterstiftung.de