Denzlingen: Von der Bohne zum Cappuccino

Kaffeebohnen © contrastwerkstatt / Fotolia

Denzlingen: Von der Bohne zum Cappuccino

In der südbadischen Gemeinde Denzlingen zwischen Emmendingen und Freiburg baut der Caritasverband Freiburg-Stadt e. V. eine Werkstatt mit einem Förder- und Betreuungsbereich.
In einem inklusiven Café gibt es Kaffeevariationen aus Bohnen, die vor Ort geröstet werden.

Die Situation

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50 Männer und Frauen mit geistiger Behinderung und 30 mit Mehrfachbehinderung werden künftig in dem Neubau des Caritasverbandes beschäftigt sein. Im zweiten Obergeschoss entstehen außerdem Zimmer für junge Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr. Die Werkstätte liegt in einem Gewerbemischgebiet mit kurzen Wegen zum Bahnhof, zum benachbarten Wohngebiet, zu Auftraggebern und Geschäftspartnern. Das sind ideale Voraussetzungen für die Verortung im Gemeinwesen.

Zum Beteiligungskonzept beim Neubau einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung gehört, dass diejenigen in die Planung einbezogen werden, die jeden Tag dort arbeiten. Die Werkstatträte haben unter anderem über die Farbgebung der Fassade entschieden. Auch das Gesicht eines Gebäudes ist wichtig.

Die Idee

Im Zentrum der Werkstätte wird ein Begegnungsraum geschaffen: Ein inklusives Café ist Pausenraum für Beschäftigte und Arbeitsplatz zugleich, aber auch offen für Gäste aus der Umgebung. Die Beschäftigen des Cafés servieren Snacks, Kaffeevariationen und einen wechselnden Mittagstisch. Die angeschlossene Kaffee-Rösterei könnte sich zur Attraktion entwickeln. Der Einkauf der Rohbohnen, der Röstvorgang, das Abfüllen der fertigen Kaffeebohnen und der Verkauf verschiedener Kaffeespezialitäten im Café – all das findet unter einem Dach statt.

Im Service des Cafés entsteht ein besonderer Arbeitsplatz: Lehrer der Esther-Weber-Schule in Emmendingen-Wasser haben zusammen mit Experten des baden-württembergischen Maschinenbauunternehmens Trumph Hüttinger eine Spezialvorrichtung konstruiert. Damit können Menschen, die körperlich stark beeinträchtigt sind, einen Kaffeeautomaten und ein angeschlossenes Kassensystem steuern. Sie können das Gerät je nach ihrer individuellen Behinderung mit der Hand, dem Fuß oder dem Kopf bedienen. Sogar eine Steuerung mit den Augen ist möglich.

Kaffeemaschine
So sieht es aus, wenn durch einen Knopfdruck mit dem Fuß die Teilhabe am Arbeitsleben möglich wird.
© Rafael Wicik

Das Café als eingestreute Inklusionsinsel - dazu soll auch das Bildungsangebot der Volkshochschule Nördlicher Breisgau beitragen. In Barista-Kursen kann man alles über Kaffee erfahren und die Zubereitung verschiedener Spezialitäten an einer professionellen Kaffeemaschine erlernen. Beschäftigte bringen ihr Wissen als Dozenten ein.

Auch Flechtkurse sollen in Denzlingen durchgeführt werden. Die Erfahrungen der Korbflechterei in der Caritas-Werkstatt auf der Haid können gut genutzt und übertragen werden. Das Flechthandwerk ist seit 2017 immaterielles bundesweites UNESCO-Kulturerbe.
http://www.korbmacherinnung.de/2017/04/20/flechthandwerk-ist-bundesweites-unesco-kulturerbe/

Die Verantwortlichen

Gerhard Wienandts
Abteilungsleitung Arbeit und Berufliche Kompetenzen
Caritasverband Freiburg-Stadt e. V.
Herrenstr. 6
79098 Freiburg
Telefon: (0761) 319 16-42
gerhard.wienandts@caritas-freiburg.de
www.caritas-freiburg.de